Die Geschichte des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes
Die Wurzeln der Gemeinschaftsbewegung liegen vor allem ...
... in der Reformation,
deren zentrale, inhaltliche Anliegen aufgenommen wurden (sola Christus, sola scriptura, sola fide, sola gratia – Allein Christus, allein die Schrift, allein der Glaube, allein durch Gnade). Daneben wurde der Gedanke des allgemeinen Priestertums der Gläubigen aufgegriffen, wobei die »dritte Form des Gottesdienstes«, nach Martin Luther, Einleitung zur Deutschen Messe (1525), besonders zu betonen ist.
... im Barockpietismus,
zu dem besonders in Württemberg unmittelbare geschichtliche Verbindungen bestehen, weil dort Gemeinschaften aus dieser Zeit existieren, die die Epoche des Rationalismus überdauert haben und direkt in die Gemeinschaftsbewegung eingemündet sind. Stärker noch zeigen sich die Verwurzelungen im Inhaltlichen: So wurden in der Gemeinschaftsbewegung die so genannte »collegia pietatis« als kleine Gruppen, die sich außerhalb des Gemeindesgottesdienstes zu Bibellektüre und Gebet treffen, heimisch.
... in der Erweckungsbewegung
Sie erfasste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die evangelische Christenheit. Zu nennen ist in diesem Zuhang z. B. Ludwig Hofacker in Württemberg, auch Johann Hinrich Wichern in Hamburg. Manche Verbände und Werke gehen auf Impulse aus dieser Zeit zurück.
... in anglo-amerikanischen Einflüssen
Die im Methodismus wurzelnde Heiligungsbewegung (Konferenzen in Oxford, Brighton, Keswick) und evangelistische Aktivitäten haben die Gemeinschaftsbewegung nachhaltig beeinflusst und Anstöße zur Massenevangelisation gegeben.
Ein zeitlicher Überblick ...
1888
Im Jahre 1888 fand die erste sogenannte Pfingstkonferenz der Gemeinschaftsbewegung in Gnadau statt (daher der Name!), einem Ort mit einer Herrnhuter Siedlung in der Nähe von Magdeburg (siehe die Bilder vom dortigen Kirchsaal der Brüdergemeine). Die Impulse zur Durchführung dieses Treffens kamen u.a. von Professor D. Theodor Christlieb, dem Evangelisten Elias Schrenk und von Baron Jasper von Oertzen.
1897
Neun Jahre später gab sich die Gemeinschaftsbewegung ihre endgültige Form im »Deutschen Evangelischen Verband für Gemeinschaftspflege und Evangelisation«. Erster Vorsitzender (Präses) wurde Reichsgraf Eduard von Pückler, eine der prägenden Gestalten der ersten Jahrzehnte.

- Reichsgraf Eduard von Pückler
1907 bis 1910
In den Jahren 1907 bis 1910 geriet die junge Gemeinschaftsbewegung durch die aufbrechende Pfingstbewegung in eine ernste Krise, die jedoch unter dem Preis schmerzlicher Trennungen überwunden werden konnte.
1933 bis 1945
Bereits in der Anfangszeit des Dritten Reiches lehnte sich Gnadau an die Bekennende Kirche an und setzte sich deutlich von der »Glaubensbewegung Deutsche Christen« ab.
ab 1945
In der Nachkriegszeit wurde die organisatorische Einheit durch die politischen Umstände zerbrochen. Es bildete sich neben dem »Gnadauer Verband für Gemeinschaftspflege und Evangelisation« mit Sitz in Dillenburg im Westbereich das »Evangelisch Kirchliche Gnadauer Gemeinschaftswerk in der DDR« mit Sitz in Woltersdorf bei Berlin.
ab 1989
Als sich 1989 die Wiedervereinigung abzeichnete, wurden umgehend Schritte eingeleitet, die frühere Einheit wieder herzustellen. Diese wurde im Jahre 1991 vollzogen.

