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WIR – Das Monatsmagazin für ein SINNvolles Leben wendet sich an alle, die in ihrem Leben Orientierung, Perspektive und Sinn suchen.
Das Evangelium von Jesus Christus setzt einen stabilen, tragfähigen Kontrapunkt inmitten vieler Stimmen. Es gibt Wertmaßstäbe und Wegweisung, Mut, Zuversicht und tragfähigen Trost. So erfährt man auch Hilfe für die praktischen Fragen des Lebens.
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Aktuell - Nr. 2 Februar/März 2012

Neu: CD-Playback zum Gemeinschaftsliederbuch
Wenn der Pianist ausfällt oder der Gitarrenspieler keine Zeit hat: Zu dieser CD kann die Gemeinde trotzdem von Herzen singen! Die Playback-Doppel-DC, die der Evangelische Sängerbund (ESB) im Dezember 2011 veröffentlicht hat, enthält alle Lieder (73 Titel) von Advent bis Epiphanias aus dem Gemeinschaftsliederbuch „Jesus – unsere Freude“ und dem Ergänzungsband „Singt das Lied der Freude“. Und Ende Januar 2012 folgte die Herausgabe der Doppel-CD mit allen Liedern zu Passion bis Pfingsten und Trinitatis. Die Aufnahmen beginnen mit einem kurzen Vorspiel. Danach folgen zwei bis drei Strophen. Die Tonart ist so gewählt, dass die Lieder gut singbar sind, gerade auch für kleinere Gemeindekreise. Das Arrangement und die Einspielung stammen von Thomas Wagler. Weitere CDs mit den nächsten Liedern aus dem Liederbuch folgen in nächster Zeit. Beide Lieferungen kosten je € 14,95; –
Kontakt für Bestellungen und weitere Infos: ESB, Tel. 0202/752440 oder im Internet www.esb-netzwerk.de.

„Schönblick“: Neue Angebote
Erstmals veranstaltet der „Schönblick“, das Christliche Gästezentrum in Schwäbisch Gmünd, Weiterbildungsveranstaltungen für „Trauerbegleitung“ und „Palliative Care“. Damit werden der Wunsch und die Notwendigkeit aufgenommen, dass neben der Vermittlung medizinischer und psychologischer Kenntnisse auch theologische und seelsorgerliche Themen gründlicher reflektiert werden. Fachkräfte sollen ihre Fähigkeiten weiter entwickeln, den Glauben gerade angesichts der letzten Lebensphase und im Abschnitt der Trauer situationsgemäß auszudrücken. Die Weiterbildung zur Trauerbegleitung entspricht den Richtlinien der LAG des württembergischen Ministeriums für Arbeit und Soziales. Ebenso entsprechen die Pallatiativ-Kurse den behördlichen Vorgaben. – Weitere Informationen: „Schönblick“, Schwäbisch Gmünd, Tel. 07171/97070, E-Mail. kontakt[at]schoenblick-info[.]de, Internet: www.schoenblick-info.de.

Namensänderung: Von „55+“ zu „Generation plus“
Bereits in den letzten Sitzungen des Gnadauer Arbeitskreises 55+ war die Frage ausführlich diskutiert worden, ob der Name des Arbeitskreises zutreffend sei. Bei dem letzten Treffen am 15. November 2011 fiel nun die Entscheidung, dass die Aktivitäten für ältere Menschen zukünftig unter der Überschrift „Generation plus“ stehen sollen. Außerdem hat sich der Arbeitskreis mit dem Entwurf einer umfangreichen Vorlage „Literatur und Arbeitsmaterialien zur Arbeit mit und für ältere Menschen“ beschäftigt. Diese kann inzwischen auf den Gnadauer Internetseiten www.Gnadauer.de, Rubrik Arbeitskreise, eingesehen und heruntergeladen werden. Diese ist eine Fundgrube für Mitarbeitende in der Arbeit mit und für ältere Menschen.

Schweiz: Neuer Leiter der Chrischona-Gemeinden gewählt
In der Delegiertenversammlung der Chrischona-Gemeinden in der Schweiz wurde am 19. November 2011 Peter Gloor zum neuen Leiter gewählt. Er tritt die Nachfolge von René Winkler an, der sich auf seine neues Amt als Direktor der Pilgermission St. Chrischona vorbereitet. Peter Gloor ist im Augenblick noch Regionalleiter für die Gemeinden in der Region West. Er war innerhalb des Gemeindeverbandes in den letzten Jahren außerdem für den Bereich der Weiterbildung verantwortlich.

Schorndorf-Aichenbach: Neuer Geschäftsführer eingeführt
In einer Feierstunde wurde Mitte November 2011 Volker Würschum, der neue Geschäftsführer der Christlichen Begegnungsstätte Aichenbach, in sein Amt eingeführt. Ein großer Teil der Besucher waren ehemalige Mitglieder des Gemeinschaftsverbandes Nord-Süd (früher: Bessarabischer Gemeinschaftsverband), ergänzt durch Freunde der Mission für Süd-Ost-Europa. Missionsleiter Friedemann Wunderlich, Mission für Süd-Ost-Europa (MSOE), erinnerte in seiner Ansprache an die vielfältigen früheren Verbindungen zwischen dem Bessarabischen Gemeinschaftsverband und der MSOE. Dieses Miteinander werde nun in anderer Weise fortgesetzt. Denn das Haus war nach der Auflösung des Nord-Süd-Verbandes an die MSOE übergegangen.

Marburg: ESB-Bundessängerfest 2012
Am 16./17. Juni 2012 wird in Marburg, Evangeliumshalle, das nächste Bundessängerfest des Evangelischen Sängerbundes stattfinden. Das Wochenende steht unter der Überschrift „Stark durch Gottes Kraft“. Auch ein Kammerchor-Konzert und ein Gospel-Gottesdienst finden sich im Programm. – Weitere Informationen: ESB, Wuppertal, Tel. 0202/752440, E-Mail: info[at]esb-netzwerk[.]de; Internet: www.esb-netzwerk.de.

EKD-Magazin: Reformation und Musik
Im Rahmen der Reformationsdekade 2008 – 2017, die die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ausgerufen hat, wird in jedem Jahr ein spezielles Thema aufgenommen. Seit drei Jahren erscheint zu dem jeweiligen Schwerpunkt-Thema auch ein Themenheft, das vom Kirchenamt der EKD herausgegeben wird.
Das Jahr 2012 hat in der Dekade das Schwerpunkt-Thema „Reformation und Musik“. Denn es ist historisch mit Händen zu greifen, dass die Musik ein entscheidendes Element bei der Ausbreitung der Reformation war. Präses Nikolaus Schneider, der EKD-Ratsvorsitzende, schreibt im Vorwort des neuen Themenheftes, das im Herbst 2011 erschienen ist: „Musik war der Herzschlag der Reformation. Martin Luther übersetzte die Bibel nicht nur ins Deutsche, sondern auch zentrale biblische-theologische Erkenntnisse in Lieder. Und seine Lieder sang die ganze Gemeinde. Der Gemeindegesang war von Beginn an ein Kennzeichen der evangelischen Gemeinden.“ – Das Heft biete eine Fülle von Informationen und Material: Es beginnt bei dem protestantischen Kirchenlied, stellt beispielhaft prägende Persönlichkeiten und Werke vor, geht auf die Wechselwirkung von Musik und Politik ein und beleuchtet die Gegenwart der Kirchenmusik. Das Magazin (80 Seiten) wird vom EKD-Kirchenamt kostenlos abgegeben. Kontaktadresse: EKD-Kirchenamt, Herrenhäuser Straße 12, 30419 Hannover, Frau J. Fischer; E-Mail: jessica.fischer[at]ekd[.]de.

Tabor: Neuer Direktor gewählt
Der Rat der Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor, Marburg, hat am 29. November 2011 Matthias Frey zum künftigen Direktor der Einrichtung gewählt. Matthias Frey wird zum 1. September 2013 die Nachfolge von Direktor Harry Wollmann antreten, der 2013 nach 20jähriger Leitungsverantwortung in den Ruhestand treten wird. Matthias Frey ist gegenwärtig Gemeinschaftspastor der evangelischen Stadtmission Düsseldorf und Vorsitzender des Westdeutschen Gemeinschaftsverbandes. Er gehört seit seinem Studium zur Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor. Die Stiftung Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor ist Trägerin der Evangelischen Hochschule Tabor (EHT), an der zurzeit 70 Studierende eingeschrieben sind, einer Tagungsstätte, eines Alten- und Pflegeheimes und eines Kindergartens. Vorsitzender des Rates der Stiftung ist Jürgen Mette, Marburg.

Scharnstein: Neuwahl der Leitung
Bei der Mitgliederversammlung des Scharnsteiner Bibelkreises am 20. November 2011 in Thening/Oberösterreich wurde der Vorstand der Bewegung neu gewählt. In diesem Zusammenhang hat der Landwirt Fritz Kirchmeier, Polsing, nach 15 Jahren aus Altersgründen das Amt des Obmanns (Vorsitzenden) abgegeben. Er gehörte insgesamt 37 Jahre dem Vorstand an. Gemäß der Ordnung des Vereins hat der neugewählte siebenköpfige Vorstand in seiner ersten Sitzung Anfang Dezember 2011 Wilbirg Rossrucker, Weidach/Alkoven, zur Obfrau (Vorsitzende) gewählt; stellvertretender Obmann wurde Dr. Gerfried Kirchmeier, Polsing. - Weitere Informationen zum Scharnsteiner Bibelkreis: www.scharnsteiner.at.

Kooperation: Liebenzeller Mission und Born-Verlag
Zwischen der Kinderzentrale (KidZ) der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell, und dem Born-Verlag des Deutschen EC-Verbandes wurde im Oktober 2011 eine Medienkooperation vereinbart. Die Liebenzeller Mission will verstärkt Medien für die Arbeit mit Kindern veröffentlichen und nutzt dazu das Know-How und die Vertriebswege des Born-Verlages. Zugleich ergänzt und erweitert der Born-Verlag in Kassel durch Veröffentlichungen der Liebenzeller Kinderzentrale sein Programm. So ist das Ziel eine gegenseitige Ergänzung und die Förderung der Weltmission.

„Zion“, Aue: Neue Oberin gewählt
Der Verwaltungsrat des Sächsischen Gemeinschafts-Diakonissenhauses „Zion“ hat Anfang Dezember 2011 Sr. Frauke Groß als zukünftige Oberin gewählt. Sie wird zum 1. Oktober 2012 die bisherige Amtsinhaberin Sr. Annemarie Bertschinger ablösen, die aus Altersgründen die Aufgabe abgibt. Sr. Frauke Groß ist Mitglied der Schwesternschaft der Liebenzeller Mission und gegenwärtig im Bezirk Karlsruhe des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes tätig. Das Diakonissenhaus „Zion“ wird von der Oberin und Rektor Lutz Behrens als hauptamtlichem Vorstand geleitet. Es ist seit Jahrzehnten ein geistliches Zentrum im Westerzgebirge. Zum Mutterhaus gehört neben der Schwesternschaft die „Diakonische Gemeinschaft Zionsring“; als Einrichtungen gehören ein Altenpflegeheim sowie ein Gästehaus dazu. In den letzten Jahren ist die „Hospizgruppe Zion“ mit ehrenamtlichen Hospizhelfern entstanden. Das Mutterhaus gehört zum Bund der Deutschen Gemeinschafts-Diakonissen-Mutterhäuser.
Aus dem Inhalt

Wo Christen sind, wird gesungen
Das christliche Liedgut und die aktuelle Gesangskultur
Von Rudolf Westerheide
Den Glauben drängt es, das, was wir bekennen und erleben, so gut und authentisch wie eben möglich auszudrücken und zu vermitteln. Weil wir dabei schnell an die Grenzen der Sprache stoßen, kann es nicht anders sein, als dass dem Wort des Glaubens von jeher die Flügel der Musik verliehen werden. Diese Intensivierung des Wortes durch seine Verbindung mit der Musik ist Gesang, und darum war dieser immer ein zentrales Element des kirchlichen Lebens und wird es immer bleiben.
Staunen über die Vielfalt
Die Fülle der ganz unterschiedlichen Arten von Liedern in den verschiedenen kirchlichen Traditionen ist groß. Dazu zählen die liturgischen Gesänge der orthodoxen Kirche ebenso wie der lateinische Hymnus und die gregorianischen Gesänge, Ordinarien und Antiphone der katholischen Kirche. Die Dichter und Sänger der Reformation, allen voran Martin Luther, taten ihr Bestes, um dem Kirchenvolk Lieder in deutscher Sprache zu geben, mit deren Hilfe sie sich das Evangelium in die Herzen singen konnten. Dazu knüpften sie zunächst an das bestehende Repertoire an, schufen Umformungen und Erweiterungen der mittelalterlichen Lieder. Bald aber wandte man sich dem zeitgenössischen Volkslied zu und nutze seine Melodien, um verkündigende Texte zu transportieren. So entstanden Lieder für alle Anlässe des Lebens und der gottesdienstlichen Feier. Anders entwickelte sich das Liedgut im Bereich der calvinistisch geprägten Reformation, wo man Sorge vor musikalischen „Ausschweifungen“ hatte und deswegen den Gesang auf die spartanisch intonierende Wiedergabe biblischer Texte beschränkte. Aufbauend auf diesen Traditionen bewegt sich die Gesangskultur in unseren Landeskirchen bis heute teilweise auf einem beachtlichen Niveau. Die überwiegend sehr alten Lieder des Evangelischen Gesangbuches sind theologisch, poetisch und musikalisch großenteils von hoher Qualität.
Der Pietismus des 20. Jahrhunderts brachte neue Lieder hervor, mit denen man näher am Lebensgefühl der zeitgenössischen Menschen war als mit dem traditionellen Kirchengesang. Die Texte sprachen unmittelbar ins Leben hinein, und die Melodien lagen nahe an den allgemeinen Hörgewohnheiten der jeweiligen Zeit. Sie waren leicht zu singen und bedurften zu ihrer vollen Entfaltung keiner Orgel, sondern können bis heute von jedermann begleitet werden, der auf einer Gitarre oder worauf auch immer Akkorde erzeugen kann.
In der evangelikalen Szene, namentlich im Jugendbereich, entwickelte sich später mit Lobpreis und Anbetung eine neue, lebendige Liedkultur. Diese wird einem geänderten spirituellen Bedürfnis gerecht: In der hektischen, reizüberfluteten postmodernen Welt soll das Lied, anders als im Pietismus, keine so große Lebensnähe haben, sondern uns eher aus dem Alltag heraus in die Sphäre Gottes erheben („Jesus berühre mich … nimm mich an deiner Hand, entführe mich in deine Gegenwart“). Die adäquate musikalische Umsetzung in fließende Melodien wird instrumental in den Softrock der späten Achtziger gekleidet und ergibt reizvolle und zudem leicht singbare Lieder.
Defizite erkennen
Das Vorhandensein einer lebendigen Musikkultur und die Tatsache, dass man oft und gerne miteinander singt, machen jedoch häufig blind für die Defizite der jeweiligen Szene. In den traditionellen Kirchen fehlen weitgehend Lieder, deren Texte sich dem milieufremden Normalbürger des begonnenen 21. Jahrhunderts unmittelbar erschließen und Melodien, die nicht völlig quer zu den aktuellen Hörgewohnheiten der breiten Masse liegen. Zwar gibt es einige Lieder im Stil der Kirchentagsmentalität, aber so wie der Kirchentag eher eine Subkultur darstellt, sind auch die dieser Kultur entsprechenden Lieder überwiegend nicht wirklich ganzjahrestauglich.
Das pietistische Liedgut vom Reichliederbuch bis zu „Jesu Name V“ leidet eher an einer Eingrenzung der Inhalte auf wenige Bereiche der biblischen Botschaft. Das ist so lange nicht weiter tragisch, wie die „neuen“ Lieder die alten nur ergänzen und diese weitergepflegt werden. Bewegt man sich mit dem Gesang jedoch ausschließlich in diesem Segment, kreist man zu stark um die eigene Frömmigkeit und es entgehen einem sowohl viele Glaubensinhalte als auch deren reichhaltige musikalische Vermittlung.
Das Defizit der Sangeskultur des breiten evangelikal-pietistisch-charismatischen Stroms liegt vor allem darin, dass wir darin weitestgehend sowohl die traditionellen Kirchenlieder als auch das Liedgut des Pietismus hinter uns gelassen haben und uns überwiegend auf den Bereich der Lobpreis- und Anbetungslieder beschränken. Für einen heute achtzehn Jahre alten Jugendkreisleiter muss es also, wenn er nicht gerade in einem kirchlich aktiven Umfeld aufgewachsen ist, fast so scheinen, als sei christliches Liedgut mit Anbetungsliedern gleichzusetzen. Er empfindet möglicherweise gar kein Defizit, weil ihm nie der Gedanke gekommen ist, dass es auch ganz andere als solche Lieder geben könnte. Andere scheinen allein das Nichtsingen alter Lieder bereits für einen Ausdruck lebendiger Frömmigkeit zu halten.
Es ist unsere Aufgabe, die eigenen Defizite aufzuarbeiten. Dabei ist es keine Frage: Die Wiederentdeckung des Lobpreises seit den Achtzigerjahren war überfällig und ein wirklicher Segen! Eine Gemeinde, die mit guter Botschaft versorgt ist, aber keine Mittel hat, um miteinander in Anbetung vor Gott zu stehen, ist arm dran! Dass mit der Lobpreiswelle zunächst auch viel qualitativ minderwertiges oder gar schädliches Strandgut angespült wurde, aus dem die Perlen erst heraussortiert werden mussten, ist oft genug beklagt worden. Dass die Anbetungskultur in sich spezielle Gefahren trägt und zu Verirrungen führen kann, ist auch erkannt. Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass sich nach dem Abebben der ersten Begeisterung jetzt die Einsicht bewähren muss, dass Anbetung etwas um der Ehre Gottes und der Ausrichtung seiner Gemeinde willen Durchzuhaltendes ist, auch wenn es einen nicht unwiderstehlich danach drängt. Damit wir darüber hinaus aber verloren gegangenes Land zurückgewinnen und dann vielleicht neues musikalisches Terrain einnehmen können, müssen wir uns zunächst in Erinnerung rufen oder erstmalig erschließen, wie breit das Spektrum christlicher Lieder eigentlich ist.
Was wir haben sollten und was wir tun können
In meiner Verantwortung als Bundespfarrer denke ich weit voraus in das Jahr 2070 und frage mich: Auf welche in ihrer Jugend ins Herz gesungenen Texte werden die dann alt gewordenen heutigen Jugendlichen zurückgreifen können? Was müssen wir jetzt tun, damit da Worte sein werden, auf die sie sich berufen und die sie nach erloschenem Augenlicht gemeinsam auswendig singen können, oder die man in ihre Demenz hinein wieder zum Klingen bringen kann? Ich will verheißungsorientiert darauf blicken, was wir noch haben könnten. Die weitgehende Beschränkung unseres Liedgutes auf eine von vielen Gattungen bedeutet nicht den geistlichen Bankrott, aber der Reichtum könnte weit größer sein, als er ist. Das könnte dann im Jahr 2020 so aussehen:

Wir haben eine geistlich tief gegründete und theologisch reflektierte Kultur von Lobpreis und Anbetung. Das ist eine persönliche und gemeinsame Ausrichtung auf Gott, die aus der Begegnung mit Gott in seinem Wort erwächst und zu einem Lebensstil der Anbetung führt. Zu dieser Kultur gehören auch die entsprechenden Lieder, die keine andere Funktion haben, als uns in die Gegenwart Gottes zu führen. Dem allein dienen die Texte und die Melodien, und niemand beklagt sich, dass diese Lieder nicht zugleich Verkündigungslieder sind! Zusätzlich zum „Worship“ und gänzlich davon unterschieden haben wir eine Kultur des Singens von Liedern. Wir singen Lieder im Gottesdienst, in der Jugendstunde, bei spontanen Treffen und als Einzelne. Dazu haben wir alte und neue geistlich tief gegründete, theologisch reflektierte, poetisch hochwertige und musikalisch ebenso anspruchsvolle wie ansprechende und eingängige Lieder. Es schält sich ein Kanon von etwa 50 Liedern heraus, die allgemein bekannt sind und die wir allein durch häufiges Singen nach und nach auswendig lernen. Diese Lieder erschließen uns auf eine Weise, wie es nur mithilfe der Musik geschehen kann, die Wahrheit und die Schönheit des Evangeliums. Sie sind Quelle von Kraft und Trost, Spender von Freude und Ermutigung, Ansporn zum Zeugnis und zu Taten der Liebe und in alle dem ein anziehendes Merkmal der christlichen Gemeinschaft.
Sehnsucht nach neuen Liedern
Solch eine Vision könnte ein Ansporn sein, sich unter Gebet auf den Weg zu machen, denn, bei allem Abstand vom Jammern: Zufrieden dürfen wir mit der gegenwärtigen Sangeskultur nicht sein. Wir sollten also zum einen anstreben, gute neue Verkündigungs-, Glaubens- und Lebenslieder zu bekommen. Hier allerdings erwartet uns bereits die größte Hürde. Man kann das offensichtlich nicht einfach machen. Man kann solche Lieder nicht oder nur begrenzt in Auftrag geben. Die Kirchengeschichte zeigt, dass wirklich gute neue Lieder in größerer Zahl fast nur in Notzeiten oder in Erweckungszeiten entstanden sind. Vor Ersterem möge Gott uns bewahren und Letzteres können wir nicht machen. Aber erbitten wollen wir es doch. Und zwischen Erweckung und Lethargie liegen kleine Aufbrüche, zwischen einer Flut neuer Lieder liegen ein oder zwei, die Gott aus einer kleinen Bewegung heraus schenkt und die sich durchsetzen. Lasst uns zuversichtlich nach begabten Menschen Ausschau halten, die solche schreiben können. Vor allem aber müssen wir im Volk Gottes und namentlich unter der Jugend wieder die Sehnsucht danach wecken. Wir müssen darüber reden und darüber lehren, was wir haben könnten, wenn Gott es schenken würde. Es muss das Umfeld geschaffen werden, in dem neue Lieder auf fruchtbaren Boden und auf Verständnis fallen.
Flankierend dazu können wir gezielt vorhandene gute Lieder wieder ausgraben und bekannt machen. Das gilt für wirkliche Klassiker und für moderne Lieder der Elterngeneration. Wenn wir das wollen, ist das vielleicht gar nicht so schwierig, denn die wirkliche Jugend, also die unter 26 Jahren, ist an dieser Stelle weitgehend ohne Berührungsängste. „Gott ist gegenwärtig“ ist auf einem Jugendkongress der Höhepunkt jeder Lobpreiszeit. Warum sollte nicht „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude“ (EG 66) zum Höhepunkt des Jugendgottesdienstes werden? Warum sollte nicht auch „Keiner weiß wann, keiner weiß wie, doch alle werden dich sehn“ den Weg auf den Beamer finden und die Erwartung der Wiederkunft Jesu in den Herzen verankern?
Man kann gute Lieder gezielt etablieren. Peter Strauchs „Kommt, atmet auf, ihr sollt leben“ wurde im Zusammenhang von ProChrist im ganzen Land bekannt gemacht und ist seitdem eines der wenigen, die im evangelikalen Raum und darüber hinaus über die Grenzen der Generationen hinweg gemeinsam gesungen werden können. Das war natürlich nur möglich, weil es eben geistlich, poetisch und musikalisch ebenso hochwertig wie eingängig ist. Und wir müssen Liedern Zeit geben, sich durchzusetzen!
Das Problem: die englischen Lieder
Eine Umfrage hat ergeben, dass in EC-Kreisen etwas weniger englischsprachige als deutschsprachige Lieder gesungen werden, wobei zu Letzteren auch Übersetzungen englischer Lieder zählen. Es stimmt also nicht, dass „nur noch englisch gesungen“ wird. Gleichzeitig bedeutet das aber, dass wir immerhin fast die Hälfte in einer Fremdsprache singen – und die anderen entstammen großenteils noch diesem fremden Kulturraum. Obgleich ich mit englischen Texten gut zurechtkomme, werbe ich dringend dafür, dass jedermann in seiner Muttersprache singt. Im Lied wird durch das Hinzutreten der Musik die Wirkung der Texte vervielfacht. Damit das geschehen kann, muss es natürlich erstens einen Text geben, der ein Minimum an Substanz hat, die verstärkt werden kann und die zu verstärken sich lohnt. Zweitens muss der Text vom Sänger und Hörer aber auch verstanden werden.
Natürlich kann man Kirchenlieder auch auf Lateinisch singen, aber völlig zu Recht stellten die Reformatoren fest, dass die Vermittlung von Inhalten, von Trost und Mahnung Lieder in der Sprache der Zielgruppe voraussetzt. Das war seinerzeit durchaus eine Herausforderung, da es im Sprachraum der Reformation erstens keine durchgängig verstandene Sprache gab und zweitens in keiner dieser Sprachen eine nennenswerte Anzahl von Liedern. Es ist eines der Verdienste der Reformatoren, dass sie erstens eine einheitliche deutsche Sprache einführten. Zweitens schufen sie, allen voran Martin Luther persönlich, in eben dieser Deutschen Sprache eine Vielzahl von Liedern. Was um alles in der Welt hat uns denn geritten, dass wir in das vorreformatorische Mittelalter zurückgegangen sind und nun in der Kirche statt Lateinisch Englisch singen? Damit der Text seine Wirkung unmittelbar entfalten kann, soll man in der Sprache singen, in der man träumt und in der man von Herzensgrund betet. Bei uns ist das Deutsch.
Melodien für die Gemeinde
Gute Lieder und Lieder, die sich durchsetzen, haben gute Melodien! Dabei heißt gut immer auch einprägsam. Lieder „funktionieren“, wenn die Melodie der Wortmelodie des Textes folgt oder sich umgekehrt die Worte in die Melodie hineinschmiegen. Andersrum ist das, was viele deutsche Versionen englischer Lieder unerträglich macht, die Tatsache, dass sich Rhythmus und Melodie des Textes mit den Noten stoßen. Es muss also beides zusammen kommen. Das kann mal in einer Person gelingen, und wir haben dafür mit Peter Strauch, Clemens Bittlinger und anderen gute Beispiele. Es könnten aber mehr gute Lieder entstehen, wenn einfach gute Texte verfügbar wären, aus denen dann gute Komponisten Lieder machen würden.
Das können künstlerische Partnerschaften sein, die gemeinsam an einer solchen Produktion arbeiten. Es können aber auch Texte und Melodien zunächst als solche entstehen, die dann von einem Texter oder einem Musiker gefunden und zum Lied ergänzt werden. Viele ausgezeichnete Lieder früherer Jahre sind auf diese Weise entstanden. Ein Beispiel aus der Neuzeit ist Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, das als reine Wortdichtung im Gefängnis entstand. Es hat dann mehrere Vertonungen gegeben, ehe 30 Jahre später Siegfried Fietz die Melodie fand, die den Text zu einem der bekanntesten Lieder machte. Dazu braucht es aber Zeit und Geduld. Ein Text muss manchmal einige Jahre kursieren oder auch ruhen, zufällig entdeckt und dann zu einem Lied werden.
R. Westerheide hat in seinem Bundespfarrerbericht 2010 ausführlich zu dem ganzen Themenfeld „Lieder“ Stellung genommen. Der vorstehende Beitrag geht darauf zurück; der gesamte Bericht findet sich unter www.ec-jugend.de/public/Bundespfarrerbericht_2010.pdf.

Das Wichtigste bei der Musik
Von Michael Diener
„Das Wichtigste bei der Musik ist zusammen anfangen und zusammen aufhören“. Was der englische Dirigent Thomas Beecham hier als vermeintliche Binsenweisheit formuliert hat, ist leider längst nicht selbstverständlich.
Im übertragenen Sinne ist es gar nicht einfach, in musikalischen Dingen ZUSAMMEN zu bleiben. Das ist jedenfalls mein Eindruck nach nun bald zweieinhalb Jahren reger Reisetätigkeit im Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband. Ja, ich wage sogar die These, dass kein anderes Thema für so viel Streit, Unfrieden, Trennung und Problemen an der Basis sorgt, als die Frage unterschiedlicher Musikstile und Lieder in unseren Gottesdiensten und Festversammlungen.
Da gibt es Gruppen von Älteren, die Veränderungen im Liedgut nicht akzeptieren und sich entweder mit ihrer Meinung durchsetzen - oder einfach wegbleiben. Chöre, bei denen die Chorleiterin sich nur schwer gegen die konservativen Liedwünsche ihrer meisten Sängerinnen und Sänger durchsetzen kann, auch wenn andererseits von ihr erwartet wird, dass neue Mitglieder für den Chor gewonnen werden.
Da gibt es Gemeinschaften, in denen die Jüngeren sich mit ihren musikalischen Vorstellungen nach vielen Jahren durchgesetzt haben und nun gibt es nur noch Band, nur noch Lobpreis, und Posaunenchor und Choräle kommen kaum noch vor.
Bei so mancher Veranstaltung schaue ich in die teils deprimierten, teils wütenden Gesichter der älteren Gemeinschaftsleute, die in der Versammlung die übergroße Mehrheit bilden, während Musik für diejenigen gespielt wird, die sich dennoch nicht einladen lassen....Oder ich erlebe Veranstaltungen, in denen sich eine heimliche Spaltung der Gemeinschaften offenbart: morgens viele ältere Menschen, Posaunen und Choräle, nachmittags wenige Jüngere, kaum noch Ältere und dafür Band und Lobpreislieder.
Dabei liegt es - wie so oft - weniger am Wissen, als vielmehr am tatsächlichen Tun: Wir wissen, dass jede Zeit ihre eigenen Lieder hat, haben MUSS, weil das Evangelium zu den Menschen jeder Zeit gelangen möchte. Wir wissen zugleich, dass das Liedgut der christlichen Kirche einen großen, über Jahrtausende gewachsenen Schatz darstellt, den wir nicht folgenlos verachten.
Wir wissen, dass Posaunenchöre, musikalisch offen und flexibel, einen großen Reichtum unserer Bewegung darstellen und längst nicht zum „alten Blech“ gehören und dass Musikteams oder Bands eine phänomenale Möglichkeit bieten, unterschiedliche Menschen und Musikstile in unsere Gemeinschaften zu integrieren.
Wir wissen - und dann steckt - „buchstäblich“ - der Teufel im Detail und wir lassen uns vom „Diabolos“, vom „Durcheinanderbringer“, vom „satanischen Chaoten“ die geistliche Dimension der Musik durch Streit und Neid, durch Intoleranz und Lieblosigkeit rauben.
Gemeinde Jesu Christi wird immer singende, immer Gott lobende, immer musizierende Gemeinde sein. Diese geistliche Dimension der Musik verbietet es, derartige Probleme tot zu schweigen oder durch Abstimmungen zu majorisieren.
Die Musik in unseren Gemeinschaften ist ein Thema geistlicher Leitung und es muss deshalb respektvoll, gut vorbereitet und ernsthaft angesprochen und transparent entschieden werden - immer wieder!
Dabei bleibt es mein Traum (den ich hin und wieder auch wirklich erleben darf), dass die unterschiedlichen Musikstile und Musikgeschmäcker wirklich zusammen zu ihrem jeweiligen Recht kommen. Dass gesunde geistliche Lehre die musikalische Vielfalt ermöglicht und gefördert hat, dass Verantwortliche unterschiedlicher musikalischer Provenienz Veranstaltungen gemeinsam planen und dann sogar ZUSAMMEN bestreiten. Dass Bläser und Band wirklich gemeinsam musizieren, dass Choräle im Lobpreis ebenso enthalten sind, wie Gospel im Abendmahlsteil.
Musik ist wichtig - keine Nebensache!! Musik hat Sprengkraft! Sie kann zerstören und aufbauen, trennen und heilen! Ob etwas „geistliche Musik“ ist, hat auch viel mit unseren Herzen und unserem Miteinander zu tun. Es ist nie zu spät, um Gott wirklich gemeinsam, mit der Vielfalt der Instrumente und Lieder zu loben und zu preisen!

Das neue Lied – immer wieder neu
Von Michael Schütz
Musik ist für mich mein Spiegel des menschlichen Lebens. Sie spricht uns alle an, verzaubert, provoziert, ergreift, tröstet, regt an und auf, verstört, belustigt, beruhigt. Sie lässt uns lachen, weinen, schlafen, erwachen, aufhorchen, erschauern, jubeln, tanzen. Gerade weil sie so mit uns und unseren Lebenserfahrungen verbunden ist, ist sie auch für unsere Kirchenkultur konstituierend. Kompositionen, Stile, Instrumente, Akkorde, Rhythmen sind dann Kirchenmusik oder für Kirchenmusik geeignet, wenn sie sich auf die vier Grunddimensionen der Kirche selbst beziehen: Gemeinschaft, Gottesdienst, Nächstenliebe und Glaubensbezeugung. Musik, die diesen dient, ist eine substanzielle und tragfähige Kirchenmusik. Kirchenmusik bedeutet für mich daher nicht nur Musik in der Kirche, sondern sie bedeutet wesentlich Musik für die Kirche. Damit ist sie Musik für Menschen, der Mensch steht im Blickpunkt. Die wichtigste Herausforderung an die Kirchenmusik ist, Musik für die Menschen ihrer Zeit zu sein.
Als Kirchenmusiker müssen wir uns also immer neu fragen, was Kirchenmusik sein kann. Bei der Beantwortung dieser Frage hilft uns ein Psalm, der sagt: „Singt dem Herrn ein neues Lied, singet dem Herrn alle Welt.“ Exegetisch geht es zuerst um die inhaltliche Frage: Das neue Lied im Sinne von die neuen Wunder Gottes besingen, den neu erfahrenen Glauben neu auszudrücken. Auch im Horizont von Offenbarung 21, 5: „Siehe, ich mache alles neu“. Aber es geht natürlich ebenso um die Frage, wie Menschen Glaubensinhalte, die sie in ihrer Zeit gemacht haben, angemessen ausdrücken. Es kann also einerseits der immer neu gesungene traditionelle Kirchenchoral sein; immer neu, weil er in immer neuen Lebenssituationen immer neu klingt, neue Bedeutung erfährt. Aber es ist auch das wirklich neue Lied, die Jazz- und Popimprovisation, die Avantgardekomposition, der Gospelsong. Sie alle wollen eine Resonanz in der Gemeinschaft finden. Der Psalm fordert uns auf, uns weiterzuentwickeln. Er ermutigt uns zur Vielfalt, zum Experiment, zu Spielfreude und Wagnis.