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WIR – Das Monatsmagazin für ein SINNvolles Leben wendet sich an alle, die in ihrem Leben Orientierung, Perspektive und Sinn suchen.
Das Evangelium von Jesus Christus setzt einen stabilen, tragfähigen Kontrapunkt inmitten vieler Stimmen. Es gibt Wertmaßstäbe und Wegweisung, Mut, Zuversicht und tragfähigen Trost. So erfährt man auch Hilfe für die praktischen Fragen des Lebens.
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Aktuell - Nr. 5, August/September 2010

Mitten im Leben – Gott begegnen
Güstrow: „Tag missionarischer Impulse“
„Mitten im Leben – Gott begegnen“, das ist in diesem Jahr das Thema des „Tages missionarischer Impulse“, der am 6. November 2010 in Güstrow stattfinden wird. Referenten und Gesprächspartner werden sein: Landesbischof Dr. Andreas von Maltzahn, Schwerin, und Pfarrer Hartmut Bärend, Berlin. Wichtig im Programm-Ablauf ist auch eine Einheit unter dem Motto „Auch das gibt es in Mecklenburg-Vorpommern“ mit der Vorstellung von missionarischen Projekten und Initiativen. Denn hin und her gibt es Gemeinden, Gruppen und Einzelpersonen die neue Schritte in der missionarischen Arbeit wagen. Der „Tag missionarischer Impulse“ wird gemeinsam verantwortet vom Konvent für missionarische Gemeindearbeit in Mecklenburg, dem Amt für Gemeindedienst der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, dem Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung der Universität Greifswald, dem Gnadauer Theologischen Seminar Falkenberg, dem Mecklenburgischen Gemeinschaftsverband und dem Landesverband evangelischer Gemeinschaften Vorpommern. –
Weitere Informationen: Gnadauer Zentrale, Leuschnerstraße 72a, 34134 Kassel, oder auch: www.gnadauer.de.
Ohne Gott geht es nicht!
100 Jahre Bauernbibeltag in Sachsen
Seit 100 Jahren findet der Bauernbibeltag in Sachsen statt. An dieses Jubiläum wurde beim diesjährigen Treffen am 13. Juni 2010 in Oelsnitz/Erzgebirge erinnert. Der „Arbeitskreis christliche Landwirte Sachsens und Thüringens“ verantwortet die Veranstaltung. Der Arbeitskreis ist unter dem Dach des Landesverbandes Landeskirchlicher Gemeinschaften Sachsen tätig. Der Vorsitzende des Verbandes, Professor Johannes Berthold, Moritzburg, sprach sich für eine stärkere Wertschätzung der Landwirtschaft aus. Die geringe Wertschätzung, so Berthold, spiegele sich auch in den Preisen wieder. Diese seien in Deutschland seit Jahren rückläufig. Der Milchpreis sei im vergangenen Jahr mehrfach gesenkt worden. Ein Deutscher verwende von seinem Monatseinkommen durchschnittlich 12 Prozent für Nahrungsmittel, ein Afrikaner 66 Prozent. In Deutschland wie in vielen europäischen Ländern werde nicht mehr mit, sondern an der Landwirtschaft Geld verdient. 340.000 deutschen Bauern stünden fünf große Discounter gegenüber, die die Preise drückten. Während sich die Produktivität der Landwirte deutlich erhöht habe – 1949 konnte einer durchschnittlich zehn Menschen ernähren, 2008 waren es 133, seien viele Bauern heute trotz ihrer Arbeit auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Das sei ein deutliches Zeichen der Fehlentwicklung. Eberhard Teumer, Gablenz, von der Leitung der Veranstaltung unterstrich, dass der Arbeitskreis „denen, die mit der Schöpfung arbeiten, den Schöpfer nahe bringen“ will. Denn „ohne Gott geht es nicht“.
Rostock: Gnadauer Frauen-Fachtagung für den ganzen Norden!
Zum zweiten Mal wird es in Kürze eine „Gnadauer Frauen-Fachtagung für den ganzen Norden“ geben: Samstag, 11. September 2010, Rostock, Gemeinschaftshaus, Hundertmännerstraße 1. „Mutig sein – Neues wagen“ lautet das Thema, zu dem Pfarrerin Birgit Winterhoff, Leiterin des Amtes für Missionarische Dienste in Dortmund, die Referentin sein wird. Verantwortet wird die Veranstaltung von den Frauenarbeiten der Gemeinschaftsverbände in Schleswig-Holstein, in Mecklenburg und Vorpommern.
Kontaktadresse für weitere Info: Martha Lohrer, Tel. 0451/704288 oder luebeck[at]vg-sh[.]de.

Gnadauer Internet-Seiten: Neugestaltung
Die Gnadauer Internet-Seiten www.gnadauer.de haben seit dem 1. Juni ein neues „Gesicht“ bekommen. Der Internetauftritt wurde umfassend neu gestaltet. Grundlegende Informationen über den Gnadauer Verband und die Gemeinschaftsbewegung, Auszüge aus dem Gnadauer Magazin „WIR“, Einblicke in die Tätigkeit der Gnadauer Arbeitskreise – und vieles andere findet man dort! Vor allem können Sie auch den Gnadauer Newsletter abonnieren, so dass Sie zukünftig monatlich regelmäßig Informationen per Mail aus dem Gnadauer Raum bekommen.
Brasilien: Neuer Exekutivdirektor gewählt
Im Rahmen der Mitgliederversammlung der „Missão Evangélica União Cristã“ (MEUC) am 25. April 2010 in São Bento do Sul wurde Missionar Carlos Alberto Kunz aus Ijuí als neuer Exekutivdirektor des Gemeinschaftsverbandes gewählt. Die MEUC ist die brasilianische Partnerarbeit der deutschen „Gnadauer Brasilien-Mission“. Gegenwärtig ist in der Leitungsaufgabe Missionar Hans Fischer tätig. Seine Amtszeit läuft im nächsten Jahr aus; im April 2011 wird es zum offiziellen Amtswechsel kommen. In den verschiedenen Arbeitsbezirken der MEUC in den brasilianischen Bundesstaaten St. Catarina, Rio Grande do Sul und West Parana sind über 50 Missionare tätig; hinzukommen mehrere diakonische Einrichtungen und eine theologische Hochschule in São Bento do Sul. Ehrenamtlicher Versitzender der MEUC ist der Bauunternehmer Erno Dietterle, São Bento do Sul. Die Geschäftsstelle der GBM befindet sich in Schwieberdingen und wird von Pfarrer Gottfried Holland geleitet.
Stiftung Marburger Medien: Wechsel in der Leitung
In der Leitung der Stiftung Marburger Medien ist es zu personellen Veränderungen kommen. Das Kuratorium wählte am 20. Mai 2010 einen neuen Vorstand, dem zukünftig vier statt drei Personen angehören. Der geschäftsführende Vorsitzende der Stiftung, Jürgen Mette aus Marburg, wurde wiedergewählt. Er leitet seit 1997 die Medienarbeit, damals „Marburger Blätter-Mission“, die seit 2002 die Bezeichnung Stiftung Marburger Medien trägt und zum DGD-Netzwerk gehört. Neu im Vorstand sind der Betriebswirt Harald Dürr, Darmstadt, Kirchenrat Dan Peter, Gomaringen, und Prediger Siegfried Winkler, München. Altersbedingt ausgeschieden sind nach achtjähriger Amtszeit Pfarrer Hermann Findeisen, Rektor a. D. des Diakonissen-Mutterhauses Hensoltshöhe in Gunzenhausen, und der Unternehmensberater Bernd Kritzler, München. Die Stiftung Marburger Medien verbreitet pro Jahr christliche Schriften in einer Auflage von etwa 18 Millionen Exemplaren. Zweigarbeiten gibt es in Frankreich, in Tschechien und in der Slowakei.
Liebenzeller Mission: Reach-Einsätze gehen in die nächste Runde
Auch in diesem Sommer gibt es unter der Überschrift „reach“ in der Verantwortung der Liebenzeller Mission wieder einige jugendmissionarische Einsätze im deutschsprachigen Raum, konkret: vom 16.7.–1.8.2010 in Sachsen-Anhalt, vom 6.8.–22.8.2010 in Hessen, vom 6.8.–20.8.2010 in Mecklenburg-Vorpommern und vom 13.8.–29.8.2010 in Österreich. Auf einem Vorbereitungskongress werden die jungen Menschen herausgefordert, intensiv über Gott nachzudenken. Außerdem werden sie für die Einsätze geschult. Mitmachen können bei den Reach-Einsätzen Jugendliche im Alter von 14 – 21 Jahren, ab 21 Jahren kann man als Teamleiter mitwirken. Außerdem werden Kongresshelfer vor Ort benötigt. –
Weitere Informationen: Teens in Mission, Postfach 1240, 75375 Bad Liebenzell, Tel. 07052/17286, E-Mail: teensinmission[at]liebenzell[.]org; Internet: www.teensinmission.de
Hessen-Nassau: Neue Vorsitzende gewählt
Bei der Delegiertenversammlung des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes Hessen-Nassau am 8. Mai 2010 in Neukirchen/Knüll ist es zu Veränderungen im Vorstand des Verbandes gekommen. Als neuer ehrenamtlicher Vorsitzender des Verbandes wurde Rolf Stöckmann, Hanau, gewählt; als sein Stellvertreter Michael Haas aus Wiesbaden. Die Position des Vorsitzenden war seit 2006 vakant, als Erich Kimm, Schauenburg-Martinhagen, aus Altersgründen die Aufgabe abgegeben hatte. Rolf Stöckmann als stellvertretender Vorsitzender hatte seither die Funktion kommissarisch wahrgenommen. Hauptamtlicher Inspektor des Verbandes ist Norbert Held; Geschäftsführer Manfred Ehrke. Die Geschäftsstelle des Verbandes ist in direkter Nähe der EC-Tagungsstätte Knüllhouse in Neukirchen/Knüll.
Aus dem Inhalt

Es ist Zeit für eine neue Ehrlichkeit
Impulse für einen authentischen Lebensstil
von Steffen Kern
Nichts ist wichtiger als Ehrlichkeit - vor allem, wenn es um das Evangelium geht. Für die meisten Christen scheint das selbstverständlich zu sein. Natürlich wollen wir nicht lügen. Und doch kann e s sein, dass wir gegen unsere Absicht nicht ehrlich sind, zumindest nicht ganz und nicht in jeder Hinsicht. Darum an dieser Stelle ein Plädoyer für neue Ehrlichkeit.
Höflichkeit kann zur Lüge werden
Vor Menschen achten wir darauf, gut auszusehen und gut da zu stehen. Wir achten auf unser Benehmen, auf unsere Kleidung und auf unseren Ruf. Das alles ist zunächst gut und wertvoll, aber unser gutes Benehmen und ordentliches Verhalten kann zur Maske werden: Wir lächeln, aber eigentlich sieht es in uns anders aus. Wir tauschen ein paar Freundlichkeiten aus, reden über Belanglosigkeiten und verbergen, was uns eigentlich bewegt und was wir wirklich denken. Ganz unmerklich kommt es dazu, dass wir einander etwas vormachen. Die Fassade ist intakt, aber das Innenleben sieht ganz anders aus. Wenn wir aber so einen falschen Schein wahren, kann Höflichkeit zur Lüge werden.
Kein geistlicher Exhibitionismus
Natürlich, so mag man mit Recht einwenden, sind wir Menschen voreinander nicht wie ein offenes Buch. Jeder und jede hat einen persönlichen Bereich, eine körperliche und seelische Intimsphäre, die man nicht vor allen andern zur Schau stellt. Es ist gut, diesen persönlichen Bereich behutsam wahrzunehmen und zu schützen. Es gibt eine gesunde seelische Scham, die zu wahren wichtig ist. Ehrlichkeit bedeutet nicht, in Talkshow- Manier einen geistigen Exhibitionismus zu betreiben und alles, was einen bewegt, vor andern preiszugeben. Im Gegenteil, wer ehrlich ist, macht andern auch die Grenzen der eigenen Offenheit deutlich. Aber das, was er sagt, ist dann auch verlässlich. Es stimmt, und er als Person ist stimmig. Wer ehrlich ist, lebt wahrhaftig. Leben und Reden stimmen überein. Solche Persönlichkeiten sind überzeugend. Und genau einen solchen Charakter bewirkt der Geist Gottes in uns.

Wenn Christen Masken tragen
Umso tragischer empfinde ich, dass es auch unter Christen viele Maskenträger gibt. Es gibt das fromme Benehmen und den geistlichen Wortschatz, es gibt das freundliche Lächeln und die floskelhaften Phrasen, die andere durchschauen. Es gehört zur tragischen Seite der Geschichte des Pietismus, dass Frommsein immer wieder mit Heuchelei gleich gesetzt wurde. Vieles davon ist ein Klischee. Der Spott der Welt weidet sich genüsslich daran, vor Jahrhunderten genauso wie heute. Die Frage ist nur, welche Ansatzpunkte wir geben, dass dieses Klischee immer wieder neue Nahrung bekommt. Dabei sehnen sich unsere Zeitgenossen nach nichts so sehr wie nach Ehrlichkeit und Echtheit. Wenn ein Mensch offen auftritt und sagt, woran sein Herz hängt, wenn er also sagt, woran er glaubt und worauf er sich verlässt, dann wirkt das Wunder. Darauf liegt der Segen des missionarischen Zeugnisses. „Ihr werdet meine Zeugen sein“, hat Jesus gesagt. Die Kraft des Heiligen Geistes wird uns dabei begleiten. Dazu ist es aber zwingend nötig, dass wir ehrlich sind und unsere Masken ablegen. Als Apis in Württemberg haben wir darum eine missionarische Initiative entwickelt, die zu einer neuen Ehrlichkeit ermutigen will: die Initiative „Ich lebe gern“.
Initiative „Ich lebe gern“
Sie ermutigt einzelne Christen dazu, Menschen aus dem persönlichen Umfeld einzuladen und mit ihnen über wesentliche Lebensfragen ins Gespräch zu kommen. Ich weiß, das fordert heraus und das kostet Überwindung. Aber ohne diese Offenheit geht es nicht. Denn unsere Mitmenschen wollen nicht nur zu Veranstaltungen eingeladen werden, sie wollen ernst genommen und geliebt werden. Echtheit ist gefragt. Es kommt darauf an, dass wir offen und ehrlich die Tür unserer Wohnungen und unserer Herzen öffnen. Wenn wir so offen über wesentliche Lebensfragen reden, ergibt sich das Gespräch über Glaubensfragen von selbst. Wer aber mit Nachbarn und Kollegen nur übers Wetter redet, wird nie ein glaubhaftes Zeugnis weiter geben können.
Kleingruppen auf Zeit
Die Initiative „Ich lebe gern“ lädt darum dazu ein, auf begrenzte Zeit eine Kleingruppe zu gründen, etwa für fünf oder acht Abende. Das kann ein Hauskreis sein, eine Jugend-, Frauen- oder Männergruppe, vielleicht auch ein After-Work-Treffen von Kollegen. Jeder Teilnehmer bekommt das Buch zur Initiative. Darin geht es um wesentliche Fragen, etwa wie ich meine Beziehungen gestalte, wie ich meine Lebensberufung entdecke oder wie ich zu mehr Lebensfreude finde. Diese Fragen werden jeweils vom Evangelium her beleuchtet. Ein Begleitheft gibt Impulse dazu, wie diese Treffen gestaltet werden können. Mehr Infos dazu finden Sie unter www.ich-lebe-gern.info.
Freilich, auf dieses Material kommt es nicht an, es ist austauschbar, aber die Haltung ist entscheidend. Wir einzelne Christen sind gefragt, neu ehrlich zu werden mit unserer Hoffnung und mit unseren Zweifeln. Evangelisation ist nicht nur die Sache von Profis oder Konzepten. Mission ist zuerst und grundlegend ein Lebensstil. Wenn wir darauf warten wollten, bis wir selbst keine offenen Fragen mehr haben, werden wir nie missionarisch zu leben beginnen. Ehrlich unser Leben zu teilen, ist nicht schwer. Es kommt nur darauf an, dass wir damit anfangen.

Ehrlich währt am längsten -
ist das wahr?
von Prof. Dr. Rainer Mayer
Eine alte Spruchweisheit des Volksmunds lautet: „Ehrlich währt am längsten“ und im Gegensatz dazu: „Lügen haben kurze Beine“. Beide Sätze hört man jedoch heutzutage eher selten. Ein Lied gar wie „Üb’ immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab und weiche keinen Finger breit von Gottes Wegen ab...“ weckt – ganz abgesehen davon, dass Volkslieder kaum noch gesungen werden – nur ein müdes Lächeln. Heute heißt’s vielmehr: „Der Ehrliche ist der Dumme“ (Buchtitel von Ulrich Wickert).
Ein gesellschaftlicher Wandel
Woher die Veränderung? Es sind offensichtlich ethische Verhaltensmuster verloren gegangen, die für frühere Generationen verbindlich waren und selbstverständlich in Geltung standen. Gewiss wird gelogen, seit es Menschen gibt. Doch in der Gegenwart ist ein gesellschaftlicher Wandel nicht zu übersehen. Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts konnte man bei einem Pädagogen über neue schulische Bildungsziele lesen: „Anstelle von Gründlichkeit, Ehrlichkeit, Treue, Verlässlichkeit, Fleiß und Gehorsam gegenüber jeweils übergeordneten Instanzen sind Initiative, Kreativität, Kritik-, Konflikt- und Kooperationsfähigkeit“ anzustreben. Ehrlichkeit galt also nicht mehr als Bildungsziel. Es sollten traditionsorientierte Verpflichtungswerte durch auf Veränderung zielende Selbstentfaltungswerte ersetzt werden. Diese einseitige Betonung des Individualismus führte allerdings, so zeigte es sich in den folgenden Jahren, zu Krisen in Gesellschaft und Wirtschaft. Deshalb hört man heute allenthalben den Ruf: „Wir brauchen wieder Werte!“ Doch diese Parole ist oberflächlich und kurzschlüssig. Denn auch die oben genannte zweite Reihe von Initiative, Kreativität, Konfliktfähigkeit usw. nennt wichtige Werte. Mit dem Ruf nach neuer Wertorientierung ist jedoch meist die erste Reihe gemeint wie Gründlichkeit, Fleiß, Ehrlichkeit usw. Werte allein tun’s also nicht! Auch die großen Ideologien und selbst Räuberbanden haben Werte. Wir müssen tiefer ansetzen und genauer fragen. Im Folgenden konzentrieren wir uns auf das Beispiel der Ehrlichkeit.
Wenn wir über Ehrlichkeit nachdenken, können wir drei Bedeutungsebenen entdecken. Auf der ersten haben wir es zu tun mit dem Gegensatz von richtig und falsch, auf der zweiten mit dem von Wahrheit und Lüge, auf der dritten schließlich mit dem von Wahrhaftigkeit und Heuchelei.
Richtig und falsch
Die erste Stufe bezieht sich auf äußere Wahrnehmungen, Logik und Stimmigkeit. Dies ist u.a. die Ebene formaler Wissenschaft, für die als besonders klares Beispiel die Mathematik steht. Zwei und zwei gibt vier und nicht fünf. Vier ist richtig, fünf ist falsch. Man sagt nicht, fünf sei „gelogen“. Es geht um Richtigkeit. Allerdings lässt sich umgekehrt Wahrheit nicht grundsätzlich von Richtigkeit lösen. – Wenn die Mutter das Kind fragt, wie viel Äpfel es auf dem Markt für einen Euro erhalten hat, und es nennt korrekt die Zahl der gekauften Äpfel, dann antwortet das Kind nicht nur richtig, sondern es sagt auch die Wahrheit.
Wahrheit und Lüge
Das verweist auf die zweite Ebene. Denn über die formale Richtigkeit hinaus hat es die Wahrheit stets mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun. Hier geht es nicht mehr allein um richtig und falsch, sondern um Wahrheit und Lüge. Richtig und falsch spielen allerdings nach wie vor eine Rolle. Wenn das Kind fünf Äpfel erhielt, unterwegs einen gegessen hat und der Mutter antwortet, es habe nur vier Äpfel erhalten, dann ist die Antwort unrichtig, falsch und zugleich eine Lüge. Nicht jede falsche Antwort ist jedoch eine Lüge. Wenn ein Erstklässler dem Rechenlehrer auf die Frage, wie viel zwei und zwei seien, „fünf“ antwortet, dann lügt das Kind nicht, sondern es irrt sich. Falsches kann auch durch Dummheit, unvollkommene Wahrnehmung oder versehentlich zustande kommen. Bei der Ethik spielen Verstand, Sachkenntnis und guter Wille eine wichtige Rolle. Lüge hat speziell etwas mit Absicht, innerer Haltung, Charakter und Wesen zu tun.
Wahrhaftigkeit und Heuchelei
Damit kommen wir zur dritten Ebene. Diese ist die entscheidende. Die formale Stufe und die Beziehungsebene gelten nach wie vor, doch sie sind der dritten Ebene zugeordnet, teilweise untergeordnet. Es geht um Wahrhaftigkeit und Heuchelei.
„Wahrhaftigkeit“ ist ein schönes deutsches Wort! Beim Thema Ehrlichkeit wird in der Regel gefragt: Ist eine Lüge unter allen Umständen verwerflich? Was ist von einer Notlüge zu halten? Muss man unter allen Umständen die Wahrheit sagen? Wie lässt sich verschleierte Rede von Lüge abgrenzen? Wer solche Fragen stellt und zu beantworten versucht, verstrickt sich leicht ins Dickicht von Situationsbeschreibungen und -bewertungen. „Wahrhaftigkeit“ weitet den Horizont. Erst von ihr her kann zu den genannten Fragen vertieft Antwort gegeben werden. Wahrhaftigkeit umfasst nämlich mehr als nicht zu lügen. Damit ist keineswegs gesagt, dass man lügen dürfe. Jemand kann jedoch in seinen Aussagen bei der formalen Wahrheit bleiben und zugleich in seinem ganzen Wesen ein unwahrhaftiger Mensch sein. Selbst der Teufel macht nicht immer falsche Aussagen. In der Versuchungsgeschichte Jesu (Matthäus 4,1-11; Lukas 4,1-13) zitiert er sogar die Bibel richtig und sagt damit die Wahrheit. Doch tatsächlich heuchelt er. Er will Jesus vom Weg der Wahrheit abbringen. Entsprechend bezeichnet Jesus den Teufel als „Vater der Lüge“ (Johannes 8,44). Heuchelei ist Lüge im umfassenden, wurzelhaften Sinn, nämlich im Sinne unwahrhaftigen Wesens. Deswegen wird in der Bibel dem Zusammenhang von „Heuchler“, „Heuchelei“, „heucheln“ größeres Gewicht beigelegt als dem von „Lügner“, „Lüge“ und „lügen“. Wenn Jesus von Heuchelei spricht, so zeigt er die menschliche Selbst- und Fremdtäuschung auf, der jeder Mensch anheimfällt, der sich nicht durch Jesu vergebende Liebe hat umwandeln lassen. Drei zentrale Worte aus dem Johannesevangelium gehören in diesen Zusammenhang. Jesus sagt:
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Johannes 14,6).

„Wenn ihr in meinem Worte bleibt, seid ihr in Wahrheit meine Jünger und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8,31.32).
„Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten...“ (Johannes 16,13).
Es ist also der Heilige Geist, der uns im Namen Jesu in die ganze Wahrheit leitet. Von der Wahrheit umhüllt, wird der Mensch durch Jesus ins Wesen der Wahrhaftigkeit umgeprägt. Ein solcher Mensch „hat“ nicht die Wahrheit, sondern er „ist“ in der Wahrheit, er lebt, er existiert in ihr.
,,... das Böse in der Gestalt des Lichts“
Unsere Gegenwart ist eine Welt voller Fremd- und Selbsttäuschungen. Wie bei der Versuchung Jesu erscheint das Böse in der Gestalt des Guten. Wir sind in ein ideologisches Zeitalter eingetreten, nicht der großen, überwölbenden Ideologien wie des Kommunismus und des Nationalsozialismus; viel subtiler wird die Wahrheit unter dem Zeichen „politischer correctness“ vielfach verfälscht, ja bekämpft. Es gilt, was schon Dietrich Bonhoeffer feststellte, dass „das Böse in der Gestalt des Lichts, der Wohltat, des geschichtlich Notwendigen, des sozial Gerechten erscheint“. Es handelt sich um das endzeitliche Phänomen, das 2. Thessalonicher 2, 9-11 vorausgesagt ist. Der vom Satan inspirierte Gesetzesfeind zeigt sich: „Er wird mit großer Macht auftreten und trügerische Zeichen und Wunder tun. Er wird alle, die verlorengehen, betrügen und zur Ungerechtigkeit verführen, weil sie sich der Liebe zur Wahrheit verschlossen haben... Darum lässt Gott sie der Macht des Irrtums verfallen, damit sie der Lüge glauben.“
Die Lüge umgibt uns wie die Luft, die wir atmen.
Die Wahrheit wird verdreht
Da ist erstens das Manipulieren mit Tatsachen: Man schafft gezielt Fakten, um sich anschließend auf sie als leider unveränderliche Sachzwänge zu berufen. Dazu gehört auch, dass Gesetze dem gesellschaftlichen Trend angepasst werden, um gleichzeitig die Gesellschaft auf diesem Wege zu verändern. Als Beispiel sei auf die gesetzliche Gleichstellung homosexueller Verbindungen mit der Ehe verwiesen. Ungleiches wird für gleich erklärt. Die Wahrheit wird verdreht.
Zweitens werden Halbwahrheiten zur ganzen Wahrheit gemacht. Dies ist eine besonders verbreitete Weise, um Lügen als Wahrheit zu tarnen. Das einseitige Handhaben von Statistiken gehört hierher. Es heißt, die Renten seien sicher. Das stimmt. Fragt sich nur in welcher Höhe. Als weiteres Beispiel sei auf die Gender-Ideologie verwiesen. Hier wird die Teilwahrheit, dass Geschlechtsunterschiede durch soziale Rollen mitgeprägt sind, zur ganzen Wahrheit und Wirklichkeit erklärt. Es wird behauptet, die Unterschiede zwischen Mann und Frau seien ausschließlich sozialer Art. Darüber hinaus wird die These aufgestellt, dass es mehr als nur die beiden Geschlechter männlich und weiblich gibt, wie viele, ist Ansichtssache.
Schließlich ist auf verbreitete Faktenresistenz zu verweisen. Zuerst wurden die demographischen Probleme in unserem Land geleugnet. Dann wurde von den Ursachen abgelenkt, indem von Überalterung der Gesellschaft statt von Kindermangel gesprochen wurde. Schließlich wird interessegeleitet mit ungeeigneten Mitteln angeblich gegenzusteuern versucht. Jedenfalls wird der Beruf Hausfrau und Mutter diskriminiert und bei der Altersversorgung eklatant benachteiligt.
Die in großem Stil vollzogene Vermengung der Wahrheitsfrage mit Sonderinteressen führt zur Systemlüge. Dazu kann etwa auf die Bankenkrise verwiesen werden. Heuchelei muss nicht immer bewusst geschehen. Christen sind in vielfacher Weise in Systemlügen eingebunden, weil sie nicht außerhalb der Gesellschaft leben. Insbesondere wer in Politik, Wirtschaft oder gesellschaftlichem Leben Verantwortung trägt, wird häufig in die Schuldzusammenhänge der Systemlügen verwickelt. Ohne die Hilfe persönlicher Seelsorge, Austausch mit einem sachkundigen gläubigen Partner, Beichte und Sündenvergebung kann ein Christ in diesen Schwierigkeiten kaum bestehen.
Wahrhaftigkeit hat Ewigkeitsbedeutung
Auch im persönlichen Bereich, abgesehen von den Systemlügen, muss sich jeder Einzelne immer neu durch den Heiligen Geist in die Wahrheit leiten und zur Wahrhaftigkeit umwandeln lassen. Dazu gehört: Angst überwinden, Täuschungen bei sich selbst und anderen durchschauen, Übertreibung, Prahlen, Verleumdung, Klatsch und Schmeichelei unterlassen. Oft gilt es, einfach zu schweigen und dem Trend nicht zu folgen. In der „Postmoderne“, die behauptet, dass es Wahrheit nicht gibt, höchstens noch „deine Wahrheit“ und „meine Wahrheit“, gilt es, die „geistliche Waffenrüstung“ (Epheser 6,11.13) anzuziehen.
„Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächten und Gewalten, die Herren der Finsternis, den bösen Geistern unter dem Himmel“ (Epheser 6,12).
Wir halten fest: Auch wenn es heutzutage oft so scheint, als sei der Ehrliche der Dumme, gilt dennoch, ehrlich währt am längsten, das ist wirklich wahr, denn Wahrhaftigkeit hat Ewigkeitsbedeutung!
Täglich zu bedenken: Wahrheit und Liebe
Wahrheit ohne Liebe
kommt aus kalten Herzen.
Nur um Recht zu haben,
fügt sie Schmerzen.
Nur aus schwachen Herzen
kommt Liebe ohne Wahrheit.
Sie wollen nicht betrüben,
ihnen fehlt die Klarheit.
(Nach einem unbekannten Verfasser)
