Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband e. V. - Interner Bereich

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Das Evangelium von Jesus Christus setzt einen stabilen, tragfähigen Kontrapunkt inmitten vieler Stimmen. Es gibt Wertmaßstäbe und Wegweisung, Mut, Zuversicht und tragfähigen Trost. So erfährt man auch Hilfe für die praktischen Fragen des Lebens.

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Aktuell - Nr. 2 Februar/März 2012

EKD-Magazin: Reformation und Musik 

Im Rahmen der Reformationsdekade 2008 – 2017, die die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ausgerufen hat, wird in jedem Jahr ein spezielles Thema aufgenommen. Seit drei Jahren erscheint zu dem jeweiligen Schwerpunkt-Thema auch ein Themenheft, das vom Kirchenamt der EKD herausgegeben wird. 
Das Jahr 2012 hat in der Dekade das Schwerpunkt-Thema „Reformation und Musik“. Denn es ist historisch mit Händen zu greifen, dass die Musik ein entscheidendes Element bei der Ausbreitung der Reformation war. Präses Nikolaus Schneider, der EKD-Ratsvorsitzende, schreibt im Vorwort des neuen Themenheftes, das im Herbst 2011 erschienen ist: „Musik war der Herzschlag der Reformation. Martin Luther übersetzte die Bibel nicht nur ins Deutsche, sondern auch zentrale biblische-theologische Erkenntnisse in Lieder. Und seine Lieder sang die ganze Gemeinde. Der Gemeindegesang war von Beginn an ein Kennzeichen der evangelischen Gemeinden.“ – Das Heft biete eine Fülle von Informationen und Material: Es beginnt bei dem protestantischen Kirchenlied, stellt beispielhaft prägende Persönlichkeiten und Werke vor, geht auf die Wechselwirkung von Musik und Politik ein und beleuchtet die Gegenwart der Kirchenmusik. Das Magazin (80 Seiten) wird vom EKD-Kirchenamt kostenlos abgegeben. Kontaktadresse: EKD-Kirchenamt, Herrenhäuser Straße 12, 30419 Hannover, Frau J. Fischer; E-Mail: jessica.fischer[at]ekd[.]de


 

Tabor: Neuer Direktor gewählt 

Der Rat der Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor, Marburg, hat am 29. November 2011 Matthias Frey zum künftigen Direktor der Einrichtung gewählt. Matthias Frey wird zum 1. September 2013 die Nachfolge von Direktor Harry Wollmann antreten, der 2013 nach 20jähriger Leitungsverantwortung in den Ruhestand treten wird. Matthias Frey ist gegenwärtig Gemeinschaftspastor der evangelischen Stadtmission Düsseldorf und Vorsitzender des Westdeutschen Gemeinschaftsverbandes. Er gehört seit seinem Studium zur Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor. Die Stiftung Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor ist Trägerin der Evangelischen Hochschule Tabor (EHT), an der zurzeit 70 Studierende eingeschrieben sind, einer Tagungsstätte, eines Alten- und Pflegeheimes und eines Kindergartens. Vorsitzender des Rates der Stiftung ist Jürgen Mette, Marburg. 


 

Scharnstein: Neuwahl der Leitung 


Bei der Mitgliederversammlung des Scharnsteiner Bibelkreises am 20. November 2011 in Thening/Oberösterreich wurde der Vorstand der Bewegung neu gewählt. In diesem Zusammenhang hat der Landwirt Fritz Kirchmeier, Polsing, nach 15 Jahren aus Altersgründen das Amt des Obmanns (Vorsitzenden) abgegeben. Er gehörte insgesamt 37 Jahre dem Vorstand an. Gemäß der Ordnung des Vereins hat der neugewählte siebenköpfige Vorstand in seiner ersten Sitzung Anfang Dezember 2011 Wilbirg Rossrucker, Weidach/Alkoven, zur Obfrau (Vorsitzende) gewählt; stellvertretender Obmann wurde Dr. Gerfried Kirchmeier, Polsing. - Weitere Informationen zum Scharnsteiner Bibelkreis: www.scharnsteiner.at. 


 

Kooperation: Liebenzeller Mission und Born-Verlag 


Zwischen der Kinderzentrale (KidZ) der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell, und dem Born-Verlag des Deutschen EC-Verbandes wurde im Oktober 2011 eine Medienkooperation vereinbart. Die Liebenzeller Mission will verstärkt Medien für die Arbeit mit Kindern veröffentlichen und nutzt dazu das Know-How und die Vertriebswege des Born-Verlages. Zugleich ergänzt und erweitert der Born-Verlag in Kassel durch Veröffentlichungen der Liebenzeller Kinderzentrale sein Programm. So ist das Ziel eine gegenseitige Ergänzung und die Förderung der Weltmission.  


 

„Zion“, Aue: Neue Oberin gewählt 

Der Verwaltungsrat des Sächsischen Gemeinschafts-Diakonissenhauses „Zion“ hat Anfang Dezember 2011 Sr. Frauke Groß als zukünftige Oberin gewählt. Sie wird zum 1. Oktober 2012 die bisherige Amtsinhaberin Sr. Annemarie Bertschinger ablösen, die aus Altersgründen die Aufgabe abgibt. Sr. Frauke Groß ist Mitglied der Schwesternschaft der Liebenzeller Mission und gegenwärtig im Bezirk Karlsruhe des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes tätig. Das Diakonissenhaus „Zion“ wird von der Oberin und Rektor Lutz Behrens als hauptamtlichem Vorstand geleitet.  Es ist seit Jahrzehnten ein geistliches Zentrum im Westerzgebirge. Zum Mutterhaus gehört neben der Schwesternschaft die „Diakonische Gemeinschaft Zionsring“; als Einrichtungen gehören ein Altenpflegeheim sowie ein Gästehaus dazu. In den letzten Jahren ist die „Hospizgruppe Zion“ mit ehrenamtlichen Hospizhelfern entstanden. Das Mutterhaus gehört zum Bund der Deutschen Gemeinschafts-Diakonissen-Mutterhäuser. 


Aus dem Inhalt

Wir haben eine geistlich tief gegründete und theologisch reflektierte Kultur von Lobpreis und Anbetung. Das ist eine persönliche und gemeinsame Ausrichtung auf Gott, die aus der Begegnung mit Gott in seinem Wort erwächst und zu einem Lebensstil der Anbetung führt. Zu dieser Kultur gehören auch die entsprechenden Lieder, die keine andere Funktion haben, als uns in die Gegenwart Gottes zu führen. Dem allein dienen die Texte und die Melodien, und niemand beklagt sich, dass diese Lieder nicht zugleich Verkündigungslieder sind! Zusätzlich zum „Worship“ und gänzlich davon unterschieden haben wir eine Kultur des Singens von Liedern. Wir singen Lieder im Gottesdienst, in der Jugendstunde, bei spontanen Treffen und als Einzelne. Dazu haben wir alte und neue geistlich tief gegründete, theologisch reflektierte, poetisch hochwertige und musikalisch ebenso anspruchsvolle wie ansprechende und eingängige Lieder. Es schält sich ein Kanon von etwa 50 Liedern heraus, die allgemein bekannt sind und die wir allein durch häufiges Singen nach und nach auswendig lernen. Diese Lieder erschließen uns auf eine Weise, wie es nur mithilfe der Musik geschehen kann, die Wahrheit und die Schönheit des Evangeliums. Sie sind Quelle von Kraft und Trost, Spender von Freude und Ermutigung, Ansporn zum Zeugnis und zu Taten der Liebe und in alle dem ein anziehendes Merkmal der christlichen Gemeinschaft.

Sehnsucht nach neuen Liedern
Solch eine Vision könnte ein Ansporn sein, sich unter Gebet auf den Weg zu machen, denn, bei allem Abstand vom Jammern: Zufrieden dürfen wir mit der gegenwärtigen Sangeskultur nicht sein. Wir sollten also zum einen anstreben, gute neue Verkündigungs-, Glaubens- und Lebenslieder zu bekommen. Hier allerdings erwartet uns bereits die größte Hürde. Man kann das offensichtlich nicht einfach machen. Man kann solche Lieder nicht oder nur begrenzt in Auftrag geben. Die Kirchengeschichte zeigt, dass wirklich gute neue Lieder in größerer Zahl fast nur in Notzeiten oder in Erweckungszeiten entstanden sind. Vor Ersterem möge Gott uns bewahren und Letzteres können wir nicht machen. Aber erbitten wollen wir es doch. Und zwischen Erweckung und Lethargie liegen kleine Aufbrüche, zwischen einer Flut neuer Lieder liegen ein oder zwei, die Gott aus einer kleinen Bewegung heraus schenkt und die sich durchsetzen. Lasst uns zuversichtlich nach begabten Menschen Ausschau halten, die solche schreiben können. Vor allem aber müssen wir im Volk Gottes und namentlich unter der Jugend wieder die Sehnsucht danach wecken. Wir müssen darüber reden und darüber lehren, was wir haben könnten, wenn Gott es schenken würde. Es muss das Umfeld geschaffen werden, in dem neue Lieder auf fruchtbaren Boden und auf Verständnis fallen.  
Flankierend dazu können wir gezielt vorhandene gute Lieder wieder ausgraben und bekannt machen. Das gilt für wirkliche Klassiker und für moderne Lieder der Elterngeneration. Wenn wir das wollen, ist das vielleicht gar nicht so schwierig, denn die wirkliche Jugend, also die unter 26 Jahren, ist an dieser Stelle weitgehend ohne Berührungsängste. „Gott ist gegenwärtig“ ist auf einem Jugendkongress der Höhepunkt jeder Lobpreiszeit. Warum sollte nicht „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude“ (EG 66) zum Höhepunkt des Jugendgottesdienstes werden? Warum sollte nicht auch „Keiner weiß wann, keiner weiß wie, doch alle werden dich sehn“ den Weg auf den Beamer finden und die Erwartung der Wiederkunft Jesu in den Herzen verankern?
Man kann gute Lieder gezielt etablieren. Peter Strauchs „Kommt, atmet auf, ihr sollt leben“ wurde im Zusammenhang von ProChrist im ganzen Land bekannt gemacht und ist seitdem eines der wenigen, die im evangelikalen Raum und darüber hinaus über die Grenzen der Generationen hinweg gemeinsam gesungen werden können. Das war natürlich nur möglich, weil es eben geistlich, poetisch und musikalisch ebenso hochwertig wie eingängig ist. Und wir müssen Liedern Zeit geben, sich durchzusetzen! 

Das Problem: die englischen Lieder 
Eine Umfrage hat ergeben, dass in EC-Kreisen etwas weniger englischsprachige als deutschsprachige Lieder gesungen werden, wobei zu Letzteren auch Übersetzungen englischer Lieder zählen. Es stimmt also nicht, dass „nur noch englisch gesungen“ wird. Gleichzeitig bedeutet das aber, dass wir immerhin fast die Hälfte in einer Fremdsprache singen – und die anderen entstammen großenteils noch diesem fremden Kulturraum. Obgleich ich mit englischen Texten gut zurechtkomme, werbe ich dringend dafür, dass jedermann in seiner Muttersprache singt. Im Lied wird durch das Hinzutreten der Musik die Wirkung der Texte vervielfacht. Damit das geschehen kann, muss es natürlich erstens einen Text geben, der ein Minimum an Substanz hat, die verstärkt werden kann und die zu verstärken sich lohnt. Zweitens muss der Text vom Sänger und Hörer aber auch verstanden werden. 
Natürlich kann man Kirchenlieder auch auf Lateinisch singen, aber völlig zu Recht stellten die Reformatoren fest, dass die Vermittlung von Inhalten, von Trost und Mahnung Lieder in der Sprache der Zielgruppe voraussetzt. Das war seinerzeit durchaus eine Herausforderung, da es im Sprachraum der Reformation erstens keine durchgängig verstandene Sprache gab und zweitens in keiner dieser Sprachen eine nennenswerte Anzahl von Liedern. Es ist eines der Verdienste der Reformatoren, dass sie erstens eine einheitliche deutsche Sprache einführten. Zweitens schufen sie, allen voran Martin Luther persönlich, in eben dieser Deutschen Sprache eine Vielzahl von Liedern. Was um alles in der Welt hat uns denn geritten, dass wir in das vorreformatorische Mittelalter zurückgegangen sind und nun in der Kirche statt Lateinisch Englisch singen? Damit der Text seine Wirkung unmittelbar entfalten kann, soll man in der Sprache singen, in der man träumt und in der man von Herzensgrund betet. Bei uns ist das Deutsch.

Melodien für die Gemeinde
Gute Lieder und Lieder, die sich durchsetzen, haben gute Melodien! Dabei heißt gut immer auch einprägsam. Lieder „funktionieren“, wenn die Melodie der Wortmelodie des Textes folgt oder sich umgekehrt die Worte in die Melodie hineinschmiegen. Andersrum ist das, was viele deutsche Versionen englischer Lieder unerträglich macht, die Tatsache, dass sich Rhythmus und Melodie des Textes mit den Noten stoßen. Es muss also beides zusammen kommen. Das kann mal in einer Person gelingen, und wir haben dafür mit Peter Strauch, Clemens Bittlinger und anderen gute Beispiele. Es könnten aber mehr gute Lieder entstehen, wenn einfach gute Texte verfügbar wären, aus denen dann gute Komponisten Lieder machen würden.
Das können künstlerische Partnerschaften sein, die gemeinsam an einer solchen Produktion arbeiten. Es können aber auch Texte und Melodien zunächst als solche entstehen, die dann von einem Texter oder einem Musiker gefunden und zum Lied ergänzt werden. Viele ausgezeichnete Lieder früherer Jahre sind auf diese Weise entstanden. Ein Beispiel aus der Neuzeit ist Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, das als reine Wortdichtung im Gefängnis entstand. Es hat dann mehrere Vertonungen gegeben, ehe 30 Jahre später Siegfried Fietz die Melodie fand, die den Text zu einem der bekanntesten Lieder machte. Dazu braucht es aber Zeit und Geduld. Ein Text muss manchmal einige Jahre kursieren oder auch ruhen, zufällig entdeckt und dann zu einem Lied werden. 

R. Westerheide hat in seinem Bundespfarrerbericht 2010 ausführlich zu dem ganzen Themenfeld „Lieder“ Stellung genommen. Der vorstehende Beitrag geht darauf zurück; der gesamte Bericht findet sich unter www.ec-jugend.de/public/Bundespfarrerbericht_2010.pdf.  

Das neue Lied – immer wieder neu 

Von Michael Schütz

Musik ist für mich mein Spiegel des menschlichen Lebens. Sie spricht uns alle an, verzaubert, provoziert, ergreift, tröstet, regt an und auf, verstört, belustigt, beruhigt. Sie lässt uns lachen, weinen, schlafen, erwachen, aufhorchen, erschauern, jubeln, tanzen. Gerade weil sie so mit uns und unseren Lebenserfahrungen verbunden ist, ist sie auch für unsere Kirchenkultur konstituierend. Kompositionen, Stile, Instrumente, Akkorde, Rhythmen sind dann Kirchenmusik oder für Kirchenmusik geeignet, wenn sie sich auf die vier Grunddimensionen der Kirche selbst beziehen: Gemeinschaft, Gottesdienst, Nächstenliebe und Glaubensbezeugung. Musik, die diesen dient, ist eine substanzielle und tragfähige Kirchenmusik. Kirchenmusik bedeutet für mich daher nicht nur Musik in der Kirche, sondern sie bedeutet wesentlich Musik für die Kirche. Damit ist sie Musik für Menschen, der Mensch steht im Blickpunkt. Die wichtigste Herausforderung an die Kirchenmusik ist, Musik für die Menschen ihrer Zeit zu sein. 
Als Kirchenmusiker müssen wir uns also immer neu fragen, was Kirchenmusik sein kann. Bei der Beantwortung dieser Frage hilft uns ein Psalm, der sagt: „Singt dem Herrn ein neues Lied, singet dem Herrn alle Welt.“ Exegetisch geht es zuerst um die inhaltliche Frage: Das neue Lied im Sinne von die neuen Wunder Gottes besingen, den neu erfahrenen Glauben neu auszudrücken. Auch im Horizont von Offenbarung 21, 5: „Siehe, ich mache alles neu“. Aber es geht natürlich ebenso um die Frage, wie Menschen Glaubensinhalte, die sie in ihrer Zeit gemacht haben, angemessen ausdrücken. Es kann also einerseits der immer neu gesungene traditionelle Kirchenchoral sein; immer neu, weil er in immer neuen Lebenssituationen immer neu klingt, neue Bedeutung erfährt. Aber es ist auch das wirklich neue Lied, die Jazz- und Popimprovisation, die Avantgardekomposition, der Gospelsong. Sie alle wollen eine Resonanz in der Gemeinschaft finden. Der Psalm fordert uns auf, uns weiterzuentwickeln. Er ermutigt uns zur Vielfalt, zum Experiment, zu Spielfreude und Wagnis. 


 

Aus dem Inhalt - Nr. 2, Februar/März 2012